JANUAR 2003



Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 14.1.2003

Jetzt isses so weit: der Düker wird endgültig Lister! Wie liesse es sich sonst erklären, dass er Worte wie „Apercus“ verwendet?! Ein „Apercu“ ist übrigens (im Französische, welches der Autor noch schlechter beherrscht als das Englische) eine „geistreiche Bemerkung“. Im Lateinischen - und darauf scheint er sich hier ob der Endung „-cus“ zu beziehen - gibt es das Wort gar nicht. „Aper“ bedeutet hier „Eber“, aber auch das kann hier wohl kaum gemeint sein. Sollte es sich um eine Zusammenziehung handeln, könnte „percussio“, der Schlag, hier weiter helfen. Ein „A-Percus“, ein Nicht-Schlag also, könnte einen ja beim Glühbirnenwechsel treffen, da die Lampe ja kaputt ist und die Insekten den Strom vielleicht absorbieren.
Auch mit dem Italienischen kommt man nur wenig weiter, bedeutet „Apercu“ hier doch „Übersicht, Überblick“. Gerade der scheint bei der Verwendung des Wortes in Dükers Tagebuch jedoch verloren gegangen zu sein, denn er verwendet dieses Wort hier im Singular, obwohl die deklinierten Adjektive „reizvolle“ und „strulturelle“ hier eine Verwendung im Plural erfordern. Da „Apercus“ sächlich ist, müsste hier m.E. von „Apercen“ (falls ich mich irre vielleicht auch von „Aperci“) die Rede sein.
Wie allerdings Kleintierkadaver, ob auf Designerlampen oder nicht, als „geistreiche Bemerkung“ wahrgenommen werden können oder einen „Überblick“ verschaffen, da sie doch das Licht verringern, bleibt mir ein Rätsel.

Naja, so ist der Lister: immer andere mit seltenen Fremdworten traktieren, aber sich keine Gedanken darum machen, welch sinnloses Nachdenken und -schlagen sie bei diesen damit auslösen.
Der Nordstädter ist da ja ganz anders. Abgesehen von seinem Pragmatismus, der es überhaupt verbietet, Designer-Lampen anzuschaffen, würde er, wenn sich die Designer-Lampe nunmal nicht vermeiden lässt, wenigstens deren technischen Nutzen bei Fehlfunktion dadurch kompensieren, dass er der Designer-Lampe ihrer eigentlichen Aufgabe, schön aussehen nämlich, überlässt und sich für die Beleuchtung eine einfach Glühbirne mit Fassung anschafft.
Niemals jedoch würde er auf die Idee kommen, sie zu PUTZEN, Freundin hin oder her.

So rumzuputzen verdirbt nur den Überblick für Buchstabenanordnungen. Ich sag nur: „Galsrondell“!


Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 15.1.2003

Mensch Düker-Baby,
da hast du ja mal einen Tagebucheintrag (fast) völlig ohne Rechtschreibfehler abgeliefert. Mal abgesehen davon, dass Sonia seit je her mit "i" geschrieben wird (kennst du eigentlich ihren Nachnamen?). Aber Sonia kann sich ja auch nicht wehren, da sie derzeit noch keinen Internet-Zugang hat. So kannst du sie auch angstfrei unberücksichtigt lassen, wenn es um die Liste der an den Dienstagen anwesenden AutorInnen geht. Aber Christine Kappe hat einen Internet-Zugang! (Weitere Beispiele anwesender AutorInnen halte ich parat.)

Ja, ja, du wirst mit recht bemerken, du hättest ja von AUTOREN gesprochen und nicht von AUTORINNEN. Stimmt. Deshalb weise ich hier ja darauf hin. Denn bei meiner Recherche in den Annalen dieser Dienstagstreffen konnte ich feststellen, dass der Arbeitstitel dieser wöchentlichen Treffen ursprünglich "AutorInnen-Stammtisch" lautete. Die Anführungsstriche gehörten ebenfalls schon bei der ersten Einladung dazu. Und auch die Aufforderung einen passenderen Begriff zu finden.
Damit hast du dir ja immer wieder Mühe gegeben und auch mit dem heutigen Tagebucheintrag noch einmal dazu beigetragen. Zuerst der Begriff des "Autorensaufens", nun das "Dienstagssaufen". Andere sprechen auch (ähnlich unscharf) vom "AutorenTREFFEN" oder von den "DienstagsTREFFEN". Aber der Unterschied wird wahrscheinlich darin zu finden sein, was die jeweiligen Begriffsfinder an diesen Abenden dann tatsächlich machen.

Apropos Historie: In besagter Einladung war auch die Formulierung zu finden "offen für alle Interessierten". Wenn sich Iris "vor Jahren" über ihr angebliches Nicht-erwünscht-sein an jenen Dienstagen beschwert hätte, dann würde dem nicht nur deshalb die Basis fehlen. Sie hätte auch hellseherische Fähigkeiten gehabt, existieren diese Treffen doch erst seit dem 13. Februar 2001, also weniger als zwei Jahre.
Tatsächlich hat sie sich auch nicht darüber beschwert, und niemand hat ihr von einem Besuch abgeraten (sie war ja auch schon dabei). Diese Diskussion bezog sich vielmehr auf ein "AutorInnen-Grillfest", zu dem tatsächlich ausschließlich AutorInnen und OrganisatorInnen eingeladen waren.
Möglich ist natürlich, dass du selbst ihr den Rat gegeben hast, dienstags fern zu bleiben. Schließlich sind "Gastgesellschafterinnen" anwesend. Aber da kann ich natürlich keine definitive Aussage treffen.

Was die Anzahl der dienstags anwesenden AutorInnen angeht, wäre natürlich zunächst genau zu definieren, was denn einen Autoren (oder eine Autorin) ausmacht. Sicher reicht es dafür nicht aus, hin und wieder mal einen genialen Text zu schreiben, schließlich zähle ich mich ja auch nicht zu dieser Gilde. Seinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten, ist andererseits mehr als eine notwendige Bedingung. Sonst wäre an dem einen von dir beschriebenen Dienstag eben neben dem Taxifahrer, dem Zweiradmechaniker(meister), und dem freien Journalisten auch ein Sohn und Lebenspartner anwesend gewesen.

Herrje, ist das anstrengend! Da möchte ich gern eine ulkige Reaktion auf die Tagebuch-Einträge heraussprühen, und dann nötigst du mich zu diesen Richtigstellungen. Hast du so viel Langeweile oder fürchtest Du, ich würde sonst nicht reagieren?
Aber du sagst ja selbst, du würdest dich "jetzt seelisch schon mal auf eine Email von Matthias vorbereiten" - und da wollte ich dich nicht enttäuschen. Anstrengend ist es trotzdem. Bitte, bitte nicht mehr so steile Vorlagen in den Strafraum.

Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 17.1.2003

Moin moin, lieber Piet,
wie Du vielleicht an der Auslassung des 16.1. bemerken wirst, ist es selbst mir manchmal nicht die einfachste Sache, etwas zu kommentieren. Ich glaube, an diesem 16. wolltest Du mir einfach keinen Anlass bieten, ein aufgewühltes Statement zu Deinen Beobachtungen zu liefern. Da fühlte ich mich zurückgeworfen auf das eigene Erleben und konnte gar nicht viel finden, was sich hier zu schreiben anböte. Nicht, dass ich nichts erlebt hätte, was interessant wäre. Aber das meiste davon hat sehr mit diversen Frauen zu tun. Und es ist ja bekannt, wie "intensiv" Frauen reagieren, wenn man diese Erlebnisse gleich einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Außerdem hatte Dein Tagebucheintrag so wenig damit zu tun, dass eine entsprechende Berichterstattung nicht mehr als Kommentar durchgehen würde. (Ich weiß, dass Du jetzt um so mehr wissen möchtest, wovon ich rede, aber... wie gesagt...)

Als ich allerdings Deinen Tagebucheintrag vom 17.1 las, fiel mir doch ein Erlebnis ein, was ich damit verknüpfen kann. Mal ganz am Rande vorweg: Als ich Michael heute in der Mensa traf, hörte sich euer "Zug durch die Gemeinde" ganz anders an, vor allem, was die treibende Kraft dabei angeht. Und von Visitenkarten war auch nicht die Rede, Du Outer, Du.

Einen Ansatzpunkt zum Kommentar bietet mir jedoch euer Besuch im Masa. Auch ich war kürzlich dort, wollte mit Sylvia essen gehen. Ich habe so'n Gutschein-Heft namens "Reibach" geschenkt bekommen, welches auch für das "Masa" versprach, lediglich den halben Preis für zwei Essen bezahlen zu müssen. Wenn man nicht Besitzer einer Eigentumswohnung ist, ist man gern bereit, auf ein solches Angebot einzugehen und aktuell vielleicht anders gearteten kulinarischen Bedürfnisse zu unterdrücken. Unser Bedürfnis war jedoch lediglich Hunger gepaart mit dem Wunsch, nicht in Armut zu verfallen. Und ob des Hungers haben wir dann auch in Kauf genommen, etwas zu bestellen, obwohl schon bei der Bestellung klar war, dass der Gutschein gar nichts nützen würde, da zur Mittagszeit (nein, nicht 20:00 Uhr, sondern 14:00 Uhr) sowieso alles nur den halben Preis kostet und darauf kein Rabatt mehr gewährt wird. Dass dann aber alle (und ich meine wirklich ALLE), auch wenn sie erst nach uns eingetroffen waren, noch vor uns ihre Speisen kredenzt bekamen, gab uns doch zu denken. Liegt das an uns? Hat das Gutschein-Buch vielleicht einen negativen Einfluss auf die Bereitschaft der Bedienung zu bedienen? Wie dem auch sei, es dauerte letztlich zwei Stunden, bis wir endlich unseren (inzwischen sehr ausgeprägten) Hunger stillen konnten. Ich will Dich hier nicht mit Details langweilen (diesen Drang habe ich schon bei anderer Gelegenheit befriedigt), alles in allem war es schon ein besonderes Erlebnis. Vielleicht erwächst daraus eine neue Geschäftsidee: ein SM-Laden für übergewichtige Hungersüchtige: "Bitte, bitte, was zu essen!" – "Wir haben hier ein Gericht für 5 Euro, wenn Sie es in 10 Minuten haben wollen. Wenn Sie jedoch wünschen, dass es Ihnen unvorhergesehen erst nach zwei Stunden serviert wird, dann kostet das 20 Euro mehr. Wenn Sie möchten, können Sie auch den anderen beim Essen zusehen. Heute besonders günstig: nur 8 Euro Aufschlag." - "Ja, ja! Gib mir kein Essen! Gib's mir spät! Jaaaha! Ohhh!"
Aber das "Masa" ist noch nicht so weit. Statt des Aufschlags gab es dann als Entschädigung einen riesigen Salat, zwei große Apfelschorle und zwei Espresso auf Kosten des Hauses.

Falls das hier noch jemand außer Dir lesen sollte, möchte ich erwähnen, dass ich nicht mit einem Ton erwähnt habe, wie stark erkältet ich derzeit bin und wie wenig mich das daran hindert, auch weiterhin am sozialen Leben ohne Murren teilzunehmen, Freunden ihre Telefone einzurichten, 40kg-Pakete zur Post zu bringen, den Dienstagabend im Extrakt zu verbringen und dabei kein Stück darüber zu jammern. Schließlich gibt es wichtigere und schwierigere Dinge im Leben. Zum Beispiel: Was schenken wir Iris zum Geburtstag? Something for a girl with everything. Wenn ich enen Deiner Tagebucheinträge richtig gelesen habe, wäre vielleicht ein Engländer kein schlechtes Geschenk, ein nichtrauchender Engländer, der brav vorm Seminar auf Toilette geht.

Gruß
Matthias


Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 19.1.2003

Moin Pirt,
Mensch, Mensch, gar nicht so einfach, so etwas zu kommentieren, wenn man das ganze Wochenende mit Buchprodukionen zum Thema Altenpflege verbracht hat. Der Sprung zu Jennifer Lopez fällt da schwer. Aber du erwähnst ja die neuen Marketing-Strategien, die "Männer, angstfrei" (ich bestehe auf das Komma, Der Autor) auf dieser Basis planen. Und das macht den Übergang schon leichter. Die Grundidee finde ich prima, allerdings würde ich als Experte dem "Leptosomen-Duo" zunächst Kugelschreiber anstatt der Bananen empfehlen. Wäre ja auch schon 'ne Steigerung, aber realistischer. Die Bananen kann man dann - im wahrsten Sinne des Wortes - nachschieben, wenn sich das Publikum an diese plötzliche Kugelschreiber-Potenz gewöhnt hat.
Natürlich würde die Verwendung von Bananen und Gurken gleich sämtliche Salatfresser auf eure Seite ziehen, weil sie so ihre sexuellen Phantasien (Huuuiiih!) ganz fleischfrei ausleben könnten. Aber was, wenn ihr euch mit denen dann solidarisch erklären müsst? Die Verträge mit den diversen Bringdiensten ("Fleisch, ich will Fleisch!") würden platzen, das Agreement zur Nichteinmischung, welches wir doch erst vor ein paar Tagen mit Beate Uhse und Sarah Lynn getroffen haben, würde ebenfalls den Bach abgehen. Also wirklich: fangt erst mal mit Kugelschreibern in den Hosen an! Oder aber Bleistifte (auch Eastwood war erfolgreich damit: Das Filmzitat "Friss Blei" hat wahrscheinlich ganz unterschwellig vor allem die weiblichen Kinobesucher begeistert).
Was die Nippel betrifft, so zeichnet sich ein "wirklich potenter Mann" natürlich dadurch aus, dass ihm die derzeitige Temperatur für die Bewerkstelligung der Aufrichtung selbiger ziemlich egal ist. Bei Frauen, die Temperaturen über 20 Grad Celsius für ihre Paarungsbereitschaft bevorzugen, hätte alles andere sowieso keinen Sinn. Und das trifft auf die meisten Frauen zu. (Ich weiß, wovon ich rede. Alle anderen waren Männer.)

Ach, und dann noch zu eurer "seriösen Table-Dance Bar": Ist der Pabst Moslem? Oder anders gesagt: Wenn sie seriös wäre, könntest du Iris dorthin mitnehmen. Wenn sie nicht seriös wäre, würdest du dies sicher auch tun. Aber du würdest dich dann in der seriösen Art damit auseinandersetzen, die den Spaß daran verderben würde. Auch Al Bundi ist schon in Oben-ohne-Bars zusammen mit seiner Frau gegangen....

Zum Schluss muss ich hier noch festhalten, dass ich nach diesem langweiligen und erkältungsgeprägten Wochenende erst zu diesem Kommentar befähigt worden bin, nachdem ich mich vorher mit ein paar Freunden aus Hasserode beraten habe. Darüber können wir gern am nächsten Dienstag diskutieren, wenn diese meine Freunde wie immer nicht anwesend sind.

So, und nun bereite ich mich auf gaanz viel Arbeit vor, die mir morgen den Tag versüßt.

Gruß
Matthias

P.S.: Ich kenne nicht nur den Begriff "Dirrty", sondern sogar den Begriff "Grrrl!", der hier wahrscheinlich sogar Vorreiter ist. Allerdings fehlt in deinem Tagebucheintrag vom 18.1. ein "t". Such es doch selbst! Wenn du es findest, winkt als Preis, dass ich an einem Tag deiner Wahl auf einen Tagebuch-Kommentar verzichte.
 

Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 20.1.2003

Ja, ja, das Duschen und die Ideen. Wurde uns nicht schon zu pubertären Zeiten vor allem das Kalt-Duschen empfohlen, um sich auf intellektuelle Leistungen besser konzentrieren zu können. Das Tragische - und das schimmert bei deinem Text ja durch - ist allerdings, dass man nicht wach wird, WEIL man duscht, sondern BEVOR man duscht. Wie schön wäre es, wenn irgend jemand da wäre, der einen unter die Dusche stellt, bevor man wach ist. Wie? Das ist keine wünschenswerte Vorstellung? Vielleicht sollte ich Iris einen Tipp geben: Der Mann kann sich nicht wehren... Und wenn er lange genug darüber nachdenkt... Es wird ihm schon eine positive Deutung einfallen...

Apropos Iris: Danke für den Tipp bezüglich des Geburtstagsgeschenks für Iris. Das sie das noch nicht hat?! (Schaltet Iris eigentlich auch hin und wieder auf diese Site? Dann dürfte sie jetzt gespannt sein.) Ich werde mir weiterhin Gedanken machen müssen, aber ich denke, dass ein gleichaltriger Callboy (18!!) durchaus mehr Pepp in euere Lister Tristerie bringen könnte. Sichrheitshalber werde ich mich von Michael noch beraten lassen, was in einem solchen Beziehungsfall das Angebrachtetste ist. Immerhin: Betrunkene und Kinder sagen die Wahrheit.

Gut, für alle die, die Peters Tagebuch-Eintrag von heute gelesen haben, jetzt Folgendes: Er wusste nicht, womit er den Abend ohne Iris verbringen sollte, hätte die Gelegenheit gehabt, so richtig die Sau rauszulassen und mit mir in den neuen StarTreck-Film zu gehen. Aber statt dessen genießt er es, die 145qm-Wohnung mal für sich allein zu haben. Okay, hätte Kinga nachgefragt, selbst Herr Düker hätte seine Gefilde verlassen, aber das ist ein ganz anderer Film, der vorwiegend dazu dient, das eigene Eheleben zu beleben. Es ist de facto nebensächlich. Hauptsächlich lässt sich konstatieren, dass die List aus "anämischen Ratten" das macht, was diejenigen, die sie als solche bezeichnen, selber geworden sind.
(Ich gestehe ein, dass nur der primäre Adressat dieses Kommentars an dieser Stelle etwas mit dem Kommentar anfangen kann. Aber als wunderbar kryptische Äußerung bot sie mir die Möglichkeit, Leute, die sich profesionell mit Legenden deutscher Kulturgeschichte beschäftigen, zu weiterem Nachdenken zu bewegen.)

Jetzt geht mir doch der Stoff aus!
Dabei hatte ich immer so darauf gebaut, dass die Tagebuch-Einträge von Peter genügend Stoff liefern würden. Aber bevor ich hier mein eigenes Leben zum Inhalt mache und dadurch (ich erlebe viel, selbst wenn ich nichts erlebe) den Rahmen dessen sprengen würde (naja, ich erlebe nicht sooo viel, aber ich weiß es breit zu walzen), das mir die Rücksichtnahme darauf gebietet, dass derjenige, den ich kommentiere, manchmal noch weniger erlebt, schränke ich dochlieber meine Eloquenz ein und wünsche allen eine gute Nacht. Allen, die gespannt darauf warten, wie der Ringkampf um die Vorherrschaft beim "Autorensaufen" (wer einen bessseren Begriff findet, möge sich melden), möchte ich sagen, dass es sich bestimmt lohnt einzuschalten, wenn die beiden Streithähne es geschafft haben werden, ihre Wunden zu lecken und sich an dieser Stelle verbal auszuweinen.

Lieber Piet, verzeih, dass ich mich in diesem Kommentar mehr an meine Leserschaft (hallo, hörst du gerade zu?) gewandt habe als an dich. Da Iris genau morgen Geburtstag hat, denke ich, dass es für dich eine willkommene Begründung sein wird, die List nicht zu verlassen. Dann müssen wir dich eben ohne Feedback zerlegen. So ist der Nordstädter nun mal.

In Erwartung echter Tagebuch-Highlights
Matthias


Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 21.1.2003

Ach, Herr Düker!
Es ist furchtbar! Da waren Sie doch heute nicht beim AutorInnen-und-alle-Interessierten,-wer-will,-darf-auch-trinken-Treffen*. Und alle interessierten Autoren (nach Ihrer Definition) wollten sooo gern über eben selbigen sogenannten Disput diskutieren. War ziemlich schwer, wenn nicht unmöglich, den anwesenden Autoren (nach meiner Definition, denn die Tatsache allein, Schwabe zu sein, disqualifiziert nicht) begreiflich zu machen, dass wir uns mit diesem Ping-Pong-Spielen und Steilpass-Vorlagen nicht ernsthaft in die Haare kriegen.
Buhuhuuu! Und du warst nicht da und konntest ob der kritischen Bedenken nicht mein Händchen halten. Vielleicht sollten wir uns jetzt mal zur Abwechslung gegenseitig tierisch loben. Das macht zwar nicht so viel Spaß, aber wenn die Rezipientenschaft es für ihr eigenes Wohlbefinden braucht ...

Ich werde dir in einer ruhigen Minute mal unter Ausschluss der Internet-Öffentlichkeit, die in diesem Zusammenhang viel zu bedeutend eingeschätzt wird, darüber berichten. (Liebe Gasthörer, die ihr ganz legitim und erwünscht euren voyeuristischen Neigungen nachgeht, indem ihr auch jetzt diesen persönlich adressierten Brief weiterlest: Herr Düker und ich haben keine Probleme miteinander! Wir sind in der glücklichen Lage, Kriege auf einer virtuellen Ebene zu führen. Und darauf einen Düjardon (oder wie der geschrieben wird. (tribute!)

Also, Piet, was nach den heutigen Gesprächen hier kurz festzuhalten bleibt, ist, dass es vorwiegend dir, aber auch mir gelungen ist, dass Leute, die uns lieb und wichtig sind, sich so ihre Gedanken machen. Ist doch schön, wenn man auch noch Leute erreicht, die dreimal so alt wie Iris sind. (Dieses Rechenexempel verstehen natürlich nur Insider, aber das ist auch gut so. Sympraxis, ich sage nur: Sympraxis. (Noch so'n Insider)).

Ich könnte jetzt noch sätzelang so weitermachen, will jetzt aber doch alte Wege beschreiten und ausnahmsweise tatsächlich den Tagebuch-Eintrag vom 21.1. kommentieren. Da ich heute auch mit demjenigen diskutiert habe, der für die Anbringung des Granits zuständig ist, weiß ich darum, dass du und Iris Gefahr gelaufen sind, die Verwandtschaft zu enttäuschen. Für Nicht-eingeweihte: Iris hatte Geburtstag, war aber nicht da. (Ist das so ein Geheimnis? Überschreite ich die Grenze, wenn ich diesen Fakt hier erwähne? Hast du dir dieses Thema für den 25. oder 26.1. aufgehoben?)

(Wieder für alle Außenstehenden, was letztlich alle zu sein scheinen: Piet und ich suchen ständig nach der Provokation, nach der wir uns dann wirklich gegenseitig die Eier abbeißen. Und es ist ein prima Gefühl festzustellen, dass das einfach nicht geht. Herr Geschäft und Herr Strauchgewächs (wer hat das verstanden?) können sich da echt 'ne Scheibe von abschneiden. Bin gerne auskunftsbereit, sollte einer der Herren mal interessiert anrufen.)

Sag mal, ist das eigentlich fair, dass du allein Iris die Verantwortung dafür anlastest, sich für Granit entschieden zu haben? Ich meine, die Brandflecken auf den billigen Multiplex-Fensterbänken haben doch auch dich gestört. Und schließlich finanzierst du ja diesen Luxus mit, indem du auf einen Teil von Iris' finanzieller Unterstützung bei anderen Dinge verzichtest. (Wieder für die voyeuristische Rezipientenschaft, um die ich heute irgendwie nicht herumkomme: Ich habe mehr als Verständnis für die Handlungsweisen sowohl von Herrn Düker als auch von Frau Kadenbach. Und wer wollte es bezweifeln, dass er für sich wünschen würde, einen Partner zu haben, der einerseits die hervorragende Fähigkeit, das Finanzielle zu regeln, hat und andererseits auf jemanden zu treffen, der berechtigterweise das Gefühl vermittelt, in ganz abgedrehtem Realitätsbezug zu leben. Ist doch super, wenn zwei Menschen ein solch regulatives System bilden. Allen Schmähfingern sei der ausgestreckte Mittelfinger gezeigt.

Schon wieder schweife ich ab. Aber ich habe ja schließlich auch einen Ruf zu verteidigen. Kommen wir zurück zu den Erläuterungen. "Nero assoluto" würde ich mit "ziemlich schwarz" übersetzen. Politisch unkorrekt ist also eigentlich nur das "assoluto". Noch weniger pc ist es allerdings, die Übersetzungsvariante "Afrikaner" zu wählen. Was hast du dir dabei gedacht? Ich denke, du wolltest dein Lister Wohnumfeld aus der Reserve locken. Aber hast du auch genügend Handzettel "www.dichter-am-dichter.de" bei der für dein tägliches "In-den-Tag-kommen" so relevanten Bäckereifachverkäuferin hinterlegt? Wäre doch echt mal 'ne Maßnahme, die für die Verblödung der Jugend zuständigen Oberstudienräte mit dem IQ von eben List-Bewohnern zum Kauf eines Klassensatzes "Teenland" zu bewegen. Natürlich hätten sie dann die Intention, diese Texte ihren Schülern als Negativ-Beispiel zu verkaufen. Aber wir beide wissen ja, dass in diesem Punkt von den als Groupies begehrten Jüngeren mehr "Checkung" zu erwarten ist.
   
Ich möchte nicht - aber ich tue es - hier schließen mit einem modifizierten Zitat: "Was ich noch zu sagen hätte / dauert 'ne Stange Zigaretten / und ein letztes Fass im Steh'n ...

See You
Matthias

P.S.: Lieber B., dass du das hier gelesen hast, bestätigt meine Ansicht, dass es "irgendwie" doch seinen publizistischen Reiz im Rahmen seiner Intention hat.

* Der Allround-Man hatte dazu passend ein prima Literatur-Zitat parat.


Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 23.1.2003

Lieber Patient,
wäre es nicht ebenso eine Ironie des Schicksals, wenn sich eines Tages herausstellen würde, dass die intensive Betrachtung von Leberflecken deren Narzissmus fördert, sodass sie den Wunsch verspüren, zu ausgewachsenen Hautkrebs-Geschwüren zu werden? Ich mühe mich darum, meinen Leberflecken eine ausgeglichene Psyche zu erhalten: ich lasse sie in Ruhe und sie mich!

Bezüglich des "Was nun?" (der Name schreibt sich tatsächlich inkl. des Fragezeichens) ist tatsächlich etwas Erstaunliches zu bemerken. Nach meinen Kenntnissen - bei den Quellen kann es sich aber auch um pure Gerüchte handeln - ist das "Was nun?" tatsächlich einmal gegründet worden von ehemaligen SoWi-StudentInnen, die nach dem Studium sich eben genau diese Frage gestellt haben. Da sie vorher den "Elchkeller" mitbetrieben haben, lag es natürlich nahe, das im Studium Erlernte in berufliche Tätigkeit umzusetzen. Soweit jedenfalls die Legende.
Zur Ehrenrettung des dortigen Personals solltest du allerdings einräumen, dass dir eine zufriedenstellende Bierlieferzeit nur da gewährt wird, wo man Gelegenheit hatte, sich auf deine Konsumgeschwindigkeit einzustellen. Oder aber dort im "Was nun?" hat man gerade Ärger mit dem Zulieferbetrieb, ist sizilianischer Herkunft und betreibt nun Blutrache durch "Dienst nach Vorschrift" an den Erben.

Kann man eigentlich einen Kommentar auch als Vorschau missbrauchen? Hier ein Versuch.
Gespannt bin ich nämlich auf deinen Tagebucheintrag am Samstag, wenn du deine "Teenland"-Lesung um 20.00 Uhr in der Bürgerschule Nordstadt, Schaufelder Str. 30, hinter dich gebracht haben wirst. Wird es eine so beeindruckende Veranstaltung sein, dass wir etwas in deinem Tagebuch darüber lesen können? Wird es Kommentare zum Werbekonzept der Bürgerschule und dessen Umsetzung geben? Wirst du dir wieder die Mühe machen, alle riskofreudig* mit Handschlag zu begrüßen?

Bei diesem Thema fällt mir ein, dass ich vor einiger Zeit sehr überrascht war, als mir in einer Stadtteilzeitung ein Foto der Bürgerschule aufgefallen war, auf dem eine riesige Plakatfläche vollgekleistert mit immer dem selben A2-Veranstaltungsplakat zu sehen war. "Alle Achtung", dachte ich, "Mensch, Mensch, die tun aber mächtig was für ihre Künstler. Kann man echt nix sagen."
Im Nachhinein muss ich feststellen, dass sie es damit vielleicht ein bisschen übertreiben. Vor einigen Tagen nämlich kam ich an dieser Plakatwand vorbei. Und sie war tatsächlich voll derselben A2-Plakate. Derselben wie auf dem Zeitungsfoto. Plakate nämlich, die auf eine Veranstaltung im November (oder war es Oktober) des vergangenen Jahres hinwiesen. Ein völlig neues Werbekonzept! Innovativ! Irgendwann wird es dann so sein, dass die Nordstädter Anwohner sich so sehr an die Plakatierung gewöhnt haben, dass das Vorhaben, die Plakate überzukleistern, Protestströme ungeahnten Ausmaßes hervorruft. Naja, wenn sich dann so vier bis fünf Leute "zusammenrotten" und wild protestieren, wird es am Ort der Chaos-Tage sicher schnell passieren, dass RTL und SAT.1 sicherheitshalber wieder ein paar Wohnungen in der Gegend anmieten. Und wenn sich dann der wahre Grund herausstellt... Welch eine Super-PR für Marianne und Thomas!
Alle Achtung, liebes Bürgerschulen-Team, die Kritiker tun euch unrecht.

Hui, jetzt bin ich aber schon wieder ins Erzählen gekommen... Dabei muss ich heute doch noch so wichtige Dinge arbeiten. Zum Beispiel zwei Rechnungen in den Briefkasten werfen. Und meine Einkommenssteuererklärung. Und jetzt halt dich fest: es handelt sich um die Einkommenssteuererklärung von 2002!!! Das muss mir und meinem Steuerberater erstmal einer nachmachen.

Tzi-a-u, wie Robert immer zu sagen pflegt,
Matthias

P.S.: Wir sehen uns dann morgen Abend (Das war jetzt an alle gerichtet!)

* Denn man weiß ja nie, was der Gast vorher so angefasst hat. Wohlmöglich sich selbst in Vorbereitung auf die Lesung.




Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 29./30.1.2003

Mensch, Mensch,
man kommt zu nix mehr. Und warum? Wegen dieses Rückfalls in die Steinzeit. Umzüge. Erst zieht Christine nach Halle, dann Sylvia in die Nordstadt. Aber mit "die Frau trägt den Hausstand" war nix. Okay, der männliche Urmensch hatte den Weg zu sichern und ich erfüllte diese archaische Aufgabe, indem ich den schwierige Job hatte, bei heftigem Seitenwind das Auto auf der Autobahn zu halten. Normal ist das nicht schwer, aber mein Auto wurde eigentlich für Umzüge von Steinzeitmenschen konstruiert. Neuere Steinzeit natürlich. Mit Hantelbänken dabei. Der Suzuki fuhr allerdings schneller als normal. Logisch. Ging ja auch nach Osten. Für so'n Japaner quasi Richtung Heimat. Aber nicht für mich. Und für Christine schon gar nicht. Ich meine, ich konnte ja wenigstens wieder zurück. Obwohl... Sooo schlecht ist das da gar nicht. Eigentlich wie Hannover, nur dörflicher. Wenn auf dem Stadtplan eine Wegbiegung von zwei Zentimetern Länge eingezeichnet ist, dann ist die in wirklichkeit auch nur zwei Zentimeter lang. Behauptet Christine.

Naja, wenn man glauben darf, dass wir alle noch uralte Gene in uns haben, dann sollte ich vielleicht auch öfter umziehen. Das verhindert dann ja wohl Schwangerschaften. (Wie lange wohnt ihr schon in der List?) Aber eigentlich reicht es ja, wenn die Frauen öfter umziehen und die Männer da bleiben, wo sie sind. Und das praktiziere ich ja gerade. Merke: jedesmal, wenn eine Frau in eine Wohnung einzieht, in der ein Mann wohnt, ist sie so begeistert mit Suabermachen beschäftigt, dass sie zum Kinderkriegen gar keine Lust hat. Wahrscheinlich hängt das mit dem Nestbautrieb zusammen. Erstmal muss das Nest sauber sein, dann geht’s ans Kinderkriegen. Deshalb sind Männer auch so wenig reinlich, wenn es um die Sauberkeit der Wohnung geht. Allein lebend halten sie alles sauber und ordentlich, aber wenn dann eine Frau dazu kommt, haben sie Angst und werden unordentlich, um den weiblichen Fortpflanzungstrieb in den Griff zu bekommen. Ich meine... is ja 'n Trieb. Können Frauen ja nix dazu. Muss man(n) ihnen eben helfen, schön alles dreckig machen, damit sie ein Leben lang mit Nestbau allein zufrieden sind und ihre Natur sie nicht nötigt, die schmerzvolle Erfahrung der Geburt über sich ergehen zu lassen. Kein Wunder, dass es in der List so viele Kinder gibt. Zuviele Putzfrauen.

Sylvia hat jedenfalls am Mittwoch zwei Stunden am Stück den Staubsauger bedient. Ich komme mit Dreckig-machen kaum hinterher!

Apropos "Gespräche mit Wolfgang": Da sieht man mal wieder den großen Vorteil von intellektuellen Handwerkern. (Eigentlich ein Widerspruch, wenn man sämtliche Zusammenhänge überdenkt. Wie kann ein Intellektueller handwerklich begabt sein?, fragt man sich. Aber es gibt eben Leute, die spielen in einer höheren Liga, auf einem anderen Level. Und die können das!) So entsteht Innenarchitektur, die Geschichten erzählt: "Ach, wenn ich so auf diesen Alibert-Schrank namens "Gerda" blicke, fällt mir wieder diese geniale Idee ein, die mir der Monteur damals erzählt hat..."
Ja, das heißt "kulturschaffend sein"! Indem ich einen Schrank an der Wand befestige, eine Granitplatte unterm Fenster verankere, werde ich zum schaffenden Motor der Kultur. Es ist wie beim Abwaschen: nur wenn ich körperlich tätig bin, kann ich den Geist auf Reisen schicken und idealerweise jemand anderen zum ausführenden Organ meiner Idee machen, ohne mir selbst die Finger zu beschmutzen.
Heißt es nicht immer, dass Frauen im Durchschnitt kreativer seien? Ich sage nur: Staubsaugen, Fußleisten wienern, Wäsche waschen! Sublimieren eben, sublimieren.

Was den Bleistifttest betrifft, so habe ich versucht, diese Idee im Sinne psychischer Ausgeglichenheit betroffener Testverliererinnen weiterzuentwickeln: Wenn der Bleistift unter der Brust hängen bleibt, kann gerade die mehrfache Mutter immer noch ein Erfolgsrerlebnis erzielen, indem sie beweist, dass sie mit diesem Gerät auf der Brustwarze jonglieren kann. Um den Verdacht des Sexismus auszuschließen: auch Männer haben da eine Chance, denn wenn der misslungene Test am Oberschenkelansatz zu Frustrationen führt, kann der Jongliertest ebensolches Selbstvertrauen verleihen. Ich habe es kürzlich versucht, musste aber beim Versuch, es mit 10 Bleistiften gleichzeitig zu proberen, kapitulieren. Wahrscheinlich habe ich zu sehr gewackelt, als ich mit Gewalt versuchte, den eingeklemmten elften Bleistift hinten zu entfernen.

Ach, noch mal ein Rückgriff auf die Gründung der ersten Siedlung Hannover und der Notwendigkeit zur ganzjährigen weiblichen Paarungsbereitschaft. Wann tritt dieser Zustand denn ein? Soviel mir bekannt ist, ist die Umsetzung dieser Notwendigkeit noch nicht bis Hannover vorgedrungen, sondern hat sich wenige Meter hinterm Deister gestaut. Sollte eine Zusammenhang zwischen Putz- und Paarungsbereitschaft bestehen, könnte ich mir allerdings vorstellen, dass Bereiche zwischen Hannover und Hildesheim ebenfalls betroffen sind.

Gruß an die Gemahlin
Matthias

P.S.: Sollte dies hier tatsächlich mal von jemandem gelesen werden, würde mich eine - wenn auch kurze - Meldung darüber sehr freuen.


Zu Peters Tagebuch

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