FEBRUAR 2003



Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 2.2.2003

Prost Piet,
und viel Spaß mit der Kiste Bier. Übrigens hätten nur 19% der Niedersachsen (und "sinnen") gegen Dich gewettet. Und hier auch gleich der erste Galgenhumor: Was haben Künstler mit der niedersächsischen SPD gemeinsam? - Beide müssen mindestens 10% an Leute abgeben, die wenig Plan von ihrer Kunst haben, die Gunst der Stunde aber zu nutzen wissen.

Überhaupt war das ein Wochenende der Entscheidungen: Nach Diktat von RTL eine Künstlerin weniger, die als Superstar eingeplant ist, im händischen Umgang mit dem Ball sind die Kroaten doch Weltspitze vor den Deutschen (trotz oder wegen deutschem UN-Einsatz?), in Hessen mausert sich ein rechtsspekulierender Skandal-Kalkulator (ja, das "Schweinchen namens Babe" (Zitat "Titanic")) zum nächsten Duce-Kandidanten (wehe, oh, wehe!).
Aber es gibt auch Erfreuliches zu vermelden. Immerhin gibt es auch einen Sieg der Roten zu vermelden (Für Dich, der Du behauptest, dein Fußballwissen wäre dilletantisch und würde sich auf das Grundwissen beschränken, dass Lottar Matthäus bei Bayern München spielt: die "Roten", das ist Hannover 96, die spielen in der ersten Liga.) Deren Auswärtssieg in einem Münchener Stadion (0:1 gegen 1860 München, auch da spielt Matthäus nicht!) war tatsächlich ein medialer Rekord. Es handelt sich nämlich um das Bundesligaspiel mit den meisten Live-Fernsehzuschauern. Die zugehörige Zahl von 300 Millionen (!) angeblichen* Fernsehzuschauern dürfte zunächst jeden verwundern, der weiß, wieviele Menschen in den Geltungsbereich der deutschen Bundesliga gehören. Weniger erstaunlich erscheint es, wenn man weiß, dass bei den 1860ern erstmals ein chinesischer Spieler auf dem Platz stand und eben dessen Landsleute zugeschaltet waren.
Kann man aus diesen Erfahrungen nicht was machen? Was dem Chinesen die deutsche Bundesliga, ist dem Deutschen die arabische Ölquelle in amerikanischen Händen. So fliegen "Männer angstfrei" in "relevante Gefilde", um die demnächst ausziehenden niedersächsischen Truppen im Nahen Osten moralisch aufzupäppeln: "Der Wille Bushs ist kaum gefährlich / Will zwar, dass wir den Saddam morden / doch die Sonne hier ist herrlich / trocknet Pickel aus in Horden".
Natürlich ist mein Reim-Versuch dilletantisch, aber mit Euren Fähigkeiten als "Männer angstfrei"... Ihr solltet Euch jetzt schon mal greifende Ausreden überlegen, wenn die Anfragen von der Hardthöhe kommen.

Nun aber mal weg von der sogenannten "Großen Politik": Nachdem ich in den letzten Tagen immer wieder im ersten Satz Deiner Tagebucheinträge den Namen "Wolfgang" lesen konnte (ich habe mir nicht wirklich Sorgen gemacht), lese ich nun mehrfach den Namen "Carola"! Und dann auch noch in Sätzen wie: "Zum Glück leistete mit Carola Gesellschaft". Da ich weiß, dass für Dich die Eignung für gemeinsame Fernsehabende ungemein wichtig für intime Verbundenheit ist, mache ich mir jetzt Sorgen. Gemeinsame Episode 5 zu gucken (Für Nichtkenner: es handelt sich um den Teil der Star Wars-Sage, der als DRITTER gedreht worden ist. Sie haben nix verpasst!), klingt in diesem Zusammenhang zunächst bedeutungsvoller, als hättest Du von einer gemeinsamen Nacht berichtet. Aber wirklich besorgt wäre ich erst, wenn du geschrieben hättest, ihr hättet gemeinsam Das Piano gesehen. (Wer hielt dabei eigentlich die Fernbedienung in der Hand?)
Ich glaube, Dein Versuch, in Iris’ Abwesenheit etwas Verbotenes zu tun, ist Dir in akzeptabelem Rahmen doch gelungen. Da kann Iris wirklich glücklich sein, dass Du ihr so behutsam Argumente lieferst, wegen ihres auswärtigen Verhaltens keine Gewissensbisse zu haben.


Jetzt mal was ganz Anderes: Inzwischen finde ich es eine interessante Idee, mal eine dialogische Lesung bei den Fliegenköpfen mit ausgewählten Texten aus diesem "Dialog" zu machen. Um mich populistisch-demokratisch abzusichern, stelle ich an alle LeserInnen die Frage: Wollt ihr eine solche Lesung? Bitte stimmt mit einem einfachen "Ja" oder "Nein" per eMail darüber ab. (Ich rechne mit etwa 100%iger Zustimmung bei 100%iger Wahlbeteiligung. Ja, ich habe vorher mit unserem Leser gesprochen!) Wenn es dann den Ansprüchen nicht genügt, kann man immer noch sagen, dass das Volk es nicht anders gewollt hat.

Dazu fällt mir ein Einwand gegen Wolfgangs Argumentation zur Veröffentlichung Eurer Frühstücksgespräche ein.
Sicher werden viele solcher Dialoge erst nach dem Tode eines Künstlers veröffentlicht. Gleichzeitig ist es aber auch eine bekannte Weisheit, dass viele große Künstler erst nach ihrem Tode zu Beachtung, Ruhm und Ehre gekommen sind. Man müsste mal recherchieren, wie sich dieser Zusammenhang darstellt. These: bekannte Künstler, die erst post mortem zu eben solchen wurden, wären es schon zu Lebzeiten geworden, wenn irgend jemand den Mut gehabt hätte, ihr Privatleben bereits dann bloßzulegen.
Wenn Talent und Reife von Slatko oder Daniel zum "Superstar" reichen, weil sie ihr "Tagebuch" veröffentlichen, dann wäre es doch sträfliche Verschwendung, wenn wesentlich größere Talente (ich will jetzt keine Namen nennen) sich dieser Möglichkeit versagen würden. (Lieber Wolfgang, "das Letzte herauszuholen" bedeutet nicht, dass es nichts Besseres gibt, sondern lediglich, damit die Treppe zu bauen, die den Elfenbeinturm für ein breites Publikum zugänglich macht.) (Ja, super. Jetzt habe ich mit diesem elitären Gequassel wahrscheinlich den letzten intelligenten Zuhöhrer vergrault. Aber egal, man muss sich selbst treu bleiben!)

Lieber Piet, entschuldige bitte, dass ich so überhaupt nicht auf deine Rasurverletzung eingegangen bin, aber ich hatte Angst, dass ich in diesem Zusammenhang das Wort "Narzissmus" fallen lassen würde. Und das wollte ich auf jeden Fall vermeiden.

Linksegale Grüße und nochmal Prost
Matthias

P.S.: Vielleicht hast Du bemerkt, dass ich am Wochenende auch die Fliegenköpfe-Homepage entscheidend erweitert habe. Wichtig war mir dabei, es möglichst dilletantisch zu machen, um nicht versehentlich für einen Webdesigner gehalten zu werden. Früher hatte die Berufsbezeichnung "Straßenkehrer" diese Bedeutung. Aber die heißen jetzt ja "Assistenten für Umwelttechnik". Mal sehen, wie lange es dauert, bis die gleiche Bedeutung auf das Wort "Landtagsabgeordneter" übergegangen ist.

* zitiert nach SAT.1 in Bezugnahme auf chinesische Quellen 



Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 3.2.2003

Technical advice, Mr. Düker:
Don't use your mobile while traveling with an aeroplane!

Wäre doch schade, wenn Du verfrüht Dein Handy einschaltest, dieses dann den Bordcomputer durcheinander wirbelt und das schließlich die Katastrophe verursacht. Außerdem musst Du dann noch darauf hoffen, dass der Flieger sich gerade in Reichweite einer Relaisstation befindet, die Deine SM ("Short Message"; ich habe mich schon immer darüber gewundert, wieso Leute davon sprechen, eine SMS zu versenden, wo das doch "Short Message Service" heißt) dann auffangen kann, um sie weiterzuleiten.
Eloquent und bodenständig, wie wir beide nun mal sind, wäre es in unseren Fällen vielleicht angebrachter, irgendwo in einem sicheren Bunker eine Festplatte mit "letzten Grüßen" zu deponieren. Ich denke, dass ein 30GB-Exemplar ausreichen könnte.
Natürlich ginge dabei das "Live vom Unglücksort" flöten, aber da die meisten Unglücke plötzlich passieren, bleibt einem in einem solchen Fall allenfalls für eine DIN A4-Seite Zeit. Schön wäre für jeden Passagier eine Blackbox unterm Sitz. Darin eine Videokamera mit aufgeladenen Akkus. Aber seien wir ehrlich, das Beste ist doch, einfach in kein Flugzeug einzusteigen.

Das ist ja überhaupt das Merkwürdige am Fliegen. Die meisten buchen ja einen Hin- und Rückflug. Das Endergebnis ist also, dass sie genau da ankommen, wo sie losgeflogen sind. Jeder würde sich beklagen, wenn es anders wäre. Dummerweise ist das Ganze so schlecht organisiert, dass die meisten Passagiere 2-3 Wochen auf den Rückflug warten müssen. Zu den Gefahren des Fliegens kommt dann noch Einiges hinzu. Mann muss sich irgendwo eine Bleibe suchen, genügend Klamotten mitnehmen, wohlmöglich eine Fremdsprache beherrschen, während man eigentlich nur darauf wartet, dass man wieder ins Flugzeug steigen kann. Und das macht dann auch keinen Spaß.

Wirklich kein Wunder, dass Du bei dem Gedanken an Kingas Schweiz-Reise auf so hässliche Dinge zu sprechen kommst. Aber ich glaube, das liegt nicht an einem Hygienemangel, sondern an einem gesunden Übermaß an Vernunft, wenn es um den Sinn von Mobilität geht. Der Weg ins Badezimmer führt zur Säuberung, der Weg zum Bäcker zu den Brötchen, der Weg in die Nordstadt zum Bier, aber der Weg zum Flughafen immer nur an Orte, für die man seine Sozialkompetenz umschulen lassen müsste, um all diese Grundbedürfnisse befriedigen zu können. Und wer würde sagen: "Au fein, ich bin erfolgreicher Starmanager eines großen Konzerns. Jetzt lasse ich mich mal zum Webdesigner umschulen? Eben!

Gruß
Matthias




Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 4.2.2003

Lieber Fan italienischer Fahrzeuge,
ich gebe Dir recht. Als technisch unbegabter Mensch - wenn auch mit Physik-Abi - muss man nicht wissen wie ein Auto funktioniert. Aber als popullaritätsinteressierter Autor sollte man die Namen dieser Fortbewegungsmittel kennen. Als technisch versierter Mensch - mit Physik-Abi - muss ich gestehen, dass ich zwar Kenntnis darüber habe, dass diese italienischen Oldtimer mit wahnsinnig viel Hubraum daherkommen (21.000 ccm - sagte damals mein Oldtimer-Quartett. Das war so beeindruckend, dass ich es heute noch weiß). Aber was die Schreibweise des Namens betrifft, kann ich als sogenannter Nicht-Autor auch nur raten: Bughatti? Am besten wäre es wohl, wenn du einen linguistisch geschulten Handwerker mit Auto- und Italien-Fable befragst. Der weiß das.

Trotzdem solltest Du Dir die wichtigsten Automodelle und ihre Schreibweisen aneignen, fall mal ein Auto in Deinen Geschichten vorkommen sollte (denkbar wären z.B. Autokino-Szenen. Du verstehst?!)
Also: Für die Verdeutlichung von diesbezüglich schwierigen Situationen, ist es notwendig, das Wort "Trabbi" richtig schreiben zu können. Eben "Trabbi" und nicht "Trabhi". Mit der "Baggi" hattest Du ja neulich dieses orthografische Problem. Wenn es mehr um die extravagante Szenerie geht, wäre es von Vorteil, zu wissen, wie sich der "Chevrolet" schreibt, bevor sich der Held im Autokino dann mit der - sinnvollen aber falschen - Schreibweise "Chef rolled" blamiert. Seventies: "Taunus" nur mit einem "s", und wenn die Szene in GB spielt nicht "Taunus" sondern "Cortina". Kommt hingegen ein VW Käfer vor, die Handlung ist jedoch in die USA verlegt, so heißt es "Beatle". "Bethel" wäre falsch? Der "Golf" müsste dan übrigens als "Rabbit" bezeichnet werden. Den Suzuki LJ 430 kannst Du übrigens nach Baujahr '89 als "Samurai" bezeichnen. Klingt einfach besser. "Jeep" wiederum bezeichnet nicht - wie immer angenommen wird - eine Fahrzeugklasse, sondern genau genommen einen Hersteller. Und die Unterschiede zwischen einem "Cherokee" und einem "Wrangler" (beides "Jeeps") sind beträchtlich.
Wenn Du eine Edward-Albee-Szene mit Fahrzeug planst, dann solltest Du einen "Ford Escort Kombi" zum Einsatz bringen. Nach neusten Erhebungen übertrumpft dieses Fahrzeugmodell sogar das Image eines "Passat Kombi" (bei Ford kannst Du statt "Kombi" auch von "Turnier" sprechen), allerdings ohne die zu diesem Modell obligatorischen Kinder dabei.

Mit solchen Kenntnissen könntest Du Deine wunderbare Hasen-Geschichte auch noch in einer Intellektuellen-Version herausbringen: "Der Hase watschelt, mir wird flau / Der Strom kam von 'nem 2CV". Oder für Fremdsprachengeschulte: "Beim Hasenwatscheln denkt ich "Ach, nöö" / Mein Auto war ein 2CV".

ADAC-Grüße von Matthias

P.S.: Nach Studium der gestrigen Fernsehzeitung fast verwunderlich: Du erwähnst nicht den ziemlich guten Film "Very Bad Things", der gestern auf VOX lief?! Und sogar zu einer Dir kompatiblen Zeit nach Mitternacht. Würde mich wirklich wundern, wenn du den nicht kennst und ihm die Zeichentrickserien vorziehst.




Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 5.2.2003

Lieber doppelgegängelter Autor,
ich möchte mich heute mal ausschließlich dem Thema des von dir befürchteten Doppelgängers in Frankfurt widmen. Da habe ich doch gleich mal recherchiert, was dükertechnisch in Frankfut so los ist.

Nicht ganz so alt, aber ebenso bodenständig wie Du ist sicherlich der "Düker/Frankfurt", ein 800 Meter langer Kanal zur Gewässerkreuzung, den die Fa. Bohlen & Doyen 1992 für die EWE AG gebaut hat. Zweifelhaft allerdings, ob der Herr, der dich kontaktete, wirklich einen Wasserlauf anzurufen wünschte (bei manchen Menschen weiß man ja nie!)

Dann ist da noch eine gewisse Dorit Düker vom TK Blau-Silber Magdeburg. Selbige Tänzerin hat in Frankfurt bei "Hessen tanzt 2000" einen 7. Platz belegt. Führst du etwa ein heimliches Doppelleben als Hupfdohle? Und wie tanzt man einen "2000"? Ist das so eine Art Samba?

Indirekt hat ein Rudolf Düker in Frankfurt mit Literatur zu tun. Als Leiter des Referats für Haushalt und Berufungen arbeitet er an der Uni Frankfurt - und die heißt immerhin Johann Wolfgang von Goethe Universität. Aber auch der wirst du nicht sein, denn der Haushalt ist sicher nicht deine Berufung.

Dein unbekannter Anrufer hat auch sicher jemand anderen gemeint. Wahrscheinlich ist ihm dein Name im Zusammenhang mit folgendem Buchtitel aufgefallen:
           "Testosteron und Persönlichkeit: Von Düker zur Neurochemie der Hormone"
Dieses Werk zu rezipieren wird Interessierten von der Abteilung Psychologie & Psychologische Diagnostik der Uni Frankfurt nahegelegt. Der Autor dieses Werks heißt übrigens Heinrich Düker, und dass du den Namen deines Vaters verwendest, wenn du dich auf das Feld solch wissenschaftlicher Texte begibst, liegt ja irgendwie nahe.

Gruß
Matthias




Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 7./8.2.2003

Gebeutelter Piet,
ich kann nur empfehlen, einen Töpferkurs zu belegen, was in der List nicht so schwierig sein dürfte. Auch wenn das Grün des ersatzweise selbstgetöpferten Zuckerschälchens vielleicht nicht vollständig übereinstimmen wird, so drückt es doch Beachtung aus. Beachtung für ganz individuelle Unzulänglichkeiten, menschliche Schwächen, die ebenso liebenswert wie manchmal schwer zu ertragen sind. Sich beim Versuch der Wiedergutmachung als bemüht, aber unzulänglich herauszustellen, ist wahrscheinlich die effizenteste Art, sich für eine vernunftbegabte Sichtweise der Dinge zu entschuldigen.

Bei der Wiedergutmachung bezüglich der von dir unterschätzten AutorInnen - stellvertretend an Sonia verübt - ist dir das ja auch ganz gut gelungen. Das liegt aber vorwiegend daran, dass Sonia mit ihrer Lesung tatsächlich ihre Professionalität (nach deinen Maßstäben) bewiesen hat. In einem Satz: Das Publikum war begeistert.
Als halbwegs erfahrener Anmoderator der Fliegenköpfe, der eben auch am Abend/Morgen vorher bis halb sechs dabei war, darf ich den von dir erwähnten besonderen Qualitätsaspekt noch einmal hervorheben: während ich froh war, überhaupt ein paar halbwegs sinnvolle Worte hervorquellen zu lassen, schien es der Autorin keine Schwierigkeit, ihre 40-minütige Lesung zu absolvieren.
Da das Auditorium über diese Umstände nicht informiert war, darf dessen Applaus allerdings nicht als mitleidsvolle Geste gewertet werden. Tatsächlich war es der Text ansich, der wirkte.

Dank übrigens für die Entleihung deines MD-Recorders. Es war die erste Fliegenköpfe-Lesung, die auch aufgezeichnet wurde. Inzwischen habe ich mir einen Audio-Eingang für meinen G4 zugelegt, das Ganze in den Rechner gespielt, in Einzeltracks zerlegt, diese von überflüssigen Räusperern und Versprecher bereinigt und eine Audio-CD fertiggestellt. Eine Kopie der Lesung befindet sich nun auch - Wunder der Technik - auf meinem Handy.

Gruß
Matthias



Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 18.2.2003

Verehrter Antragsteller,
es ist sicher nicht erbaulich, einen Förderantrag zu formulieren. Zumal, wenn ein solcher keine literarischen Freiheiten duldet. Aber musst Du deswegen gleich völlig mit den Liegestützen brechen (5 - 5 = 0)?
Es sei mir erlaubt, hier eine Erläuterung Deines Putzfrauen-Bezugs zu liefern. Schließlich wollen die Massen, die diese Worte lesen, wissen, worum es geht. Und Massen müssen es sein. Wie wäre es sonst zu erklären, dass heute beim Autorensaufen (Düker) / Literatencafé (Roeschmann) bis 22:30 nicht ein einziger Mensch anwesend war? Abgesehen von meiner Person selbstverständlich. Ich kann es mir nur so erklären, dass es alle Taxifahrer, Zweiradmechaniker, Mütter und sonstige Nicht-Literaten vorgezogen haben, ihren Abend intellektuell sinnvoll zu gestalten und sich auf der hochwertigsten Site im Web rumgetrieben haben.
Gerade deswegen - und um ihr Grübeln zu beenden - hier all jenen ein wesentlicher Hinweis: Herr Düker hat nicht nur W. Allen, sondern auch S. Martin ausführlich rezipiert. Auch der Film "Tote tragen keine Karos" gehörte dazu. Und weil dieser Film (fast) komplett in Englisch ist, blieb EIN Wort davon bei Peter haften: "Reinemakefrau".
Nicht zufällig ist es das einzige deutsche Wort. Ohne nun allzu ausführlich zu werden, will ich doch darauf hinweisen, dass für den Helden des Films dieses Wort traumatisch belegt ist.
Kindheitserlebnisse, Kindheitserlebnisse!
So, wie es bei dem Filmhelden "Klick" macht, wenn er dieses Wort hört, muss es in Peters Träumen zugehen. Jeden, der nun die Nase rümpft, bitte ich, seinen persönlichen Bezug zu dem zu überprüfen, was er mit Putzfrauen verbindet: in Beziehungen hat zu Recht diejenige Person die Hosen an, die den Besen schwingt. Wenn aus dem Stillen eine sexuelle Affinität zu Brüsten erwächst, wieso sollte das Windeln-Wechseln nicht ähnliche Konsequenzen zeitigen?
Gleiches gilt dann selbstverständlich auch für das weibliche Geschlecht: Wenn die Stimulation der Brüste sexuelle Lüste erweckt und befriedigt, ist es doch naheliegend, dass jene Reinigungsfachkraft in der Zahnarztpraxis angesichts der Nähe von zu Säuberndem sich sexuell stimuliert ihrer Kleidung entledigt.
Es sind nicht immer Männer, die traumatisiert handeln.
Vielleicht ist sie sogar mit dem Schwarz-Rot-Gold-Hosenträger liiert, kommt dort reinigungstriebmäßig nicht zum Zuge und verdient sublimierenderweise auch noch etwas dazu, um ihrem Herzallerliebsten die Chance auf ein ästhetischeres Outfit zu ermöglichen. Wenigstens ein Feinripp-Unterhemd von Armani.

Gruß
Matthias




Zu Peter Dükers TB-Eintrag vom 19.2.2003

Moin Peter,
wenn Du Dich dann mit dem Riester-Renten-Zuschuss-Formular ausgequält hast, kannst Du mir dann mitteilen, ob es sich gelohnt hat? Wäre für mich nämlich neu, dass man auch als Nicht-Angestellter was von dem Kuchen abhaben kann. Weiß Deine Versicherung, was sie tut?

Wenn ich lese, dass Du SCHON WIEDER die gegenüberliegende Straßenseite, respektive das, was sich hinter den Fenstern abspielt, beobachtest, bin ich versucht, Dir zum nächsten Geburtstag doch ein Feinripp-Unterhemd und ein dickes Kissen fürs Fensterbrett zu schenken. Klar, wer das Haus kaum verlässt, ist darauf angewiesen, die Welt vorm Fenster zu rezipieren. Fernsehen ist inszeniert, auch wenn das manchmal nicht rüberkommt, aber der Blick aus dem Fenster zeigt die reale Welt, ohne, dass man wirklich mit ihr konfrontiert wird. Da wird die Eigentumswohnung zum Uterus mit Bullaugen, das Besorgen der Kiste Wasser ist jedesmal mit einem Geburtstrauma behaftet.
Deshalb wohl auch die reziproke Skala für den Wert "Licht". Je weniger davon vorhanden, desto höher der Wert. Das Ideal ist die Dunkelheit, die Geborgenheit im Mutterleib, der Ausschluss alles organisch Fremdartigen. Und dazu die Fenster. Man kann rausgucken. Ideal wären dann wohl, wenn es einseitige Spiegel gäbe, durch die man hinausblicken kann, ohne dass Licht oder Blicke von der anderen Seite hineinkommen.
Da muss ich noch mal drüber nachdenken.
Schließlich stellen sich Fragen!

Es ist kein Wunder, dass ich hier in Richtung "Spiegel" assoziiert habe. Dieses Thema beschäftigt mich, seit mir vorgestern irgendein Schmaldenker den rechten Außenspiegel vom Auto abgerissen hat. So'n Spiegel ist schnell wieder angeschraubt. Den habe ich mir gleich als Gebrauchtteil im Internet besorgt, musste also nicht mal das Haus verlassen. Aber die erheblich Verformung der Beifahrertür erfordert aufwändigere Korrekturmaßnahmen. Können solche Leute keine Schraubendreher bedienen?

Gruß
Matthias
 

Zu Peters Tagebuch

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