Ja, so ist das mit der halben Wahrheit und mit der Neigung des Publikums,
zwischen den Zeilen zu meinen lesen zu können, was da gar nicht steht.
Da sagt Herr Düker also, er hätte Jörg und mich gesehen "wie wir mit dem
Wagen ganz schnell weg wollten". So weit, so gut, so richtig. Naiv, wer da
als Autor (Piet) meint, der Leser oder die Leserin würden genau das und nichts
anderes verstehen. Naiv, wer da als Leserin oder als Leser meint, Herr Düker
hätte mehr gemeint, als da steht (Natürlich HAT er auf diese Naivität gehofft,
die sich ja gerade in der von ihm kultivierten Zwischenzeiligkeit ergießt.)
Jedenfalls: der Kontext seines P.S. legt nahe, dass wir - Jörg und ich also
- auf der von Peter beschriebenen Veranstaltung waren und das Weite gesucht
haben. Aber genau DAS stimmt eben nicht.
Um es klarzustellen: Wir trafen uns, als Jörg und ich tatsächlich im Auto
saßen und Herrn Düker allein in der Nordstadt herumlaufen sahen. Wir versicherten
uns kurz, dass es ihm den Umständen entsprechend gut geht, und setzten dann
unsere Fahrt fort. Keineswegs wollten wir in die "Sau", um dort entsetzt
die Veranstaltung zu verlassen, sondern zu diesem Zwecke zu einer Lesung
in der Südstadt.
Zu diesem Zeitpunkt war ebenfalls nicht geplant, dann diese Lesung entsetzt
zu verlassen. Und nach wie vor ist es so, dass Jörg derjenige war, der auf
den Verzicht der Rezeption der zweiten Hälfte dieser Lesung drängte. Dabei
richtete sich sein Unbehagen weniger auf die tatsächlich vorgetragenen Texte,
sondern eher auf die Stimmung der Veranstaltung als solcher. Wer Jörg kennt,
weiß aber, dass ein solches Unbehagen bei ihm eigentlich der Normalzustand
ist und nicht so sehr der Veranstaltung angelastet werden kann.
Zudem muss ich hier festhalten, dass ich insbesondere die Texte von Andreas
Becker und seinen Vortrag sehr schätze. Letztlich muss ich mir jedoch vorhalten
lassen, dass ich mich allzu schnell von Jörg habe überzeugen lassen, dass
ein gemeinsamer Kneipenbesuch in diesem Moment ebenfalls viel Erholsames
bietet.
Den wiederum machten wir dann wieder in der Nordstadt. Im Grunde sind wir
also nicht vor der Sau'schen "Schlachteplatte" geflohen, sondern haben uns
auf unserer Flucht dieser angenähert.